Forschung zum Thema Wechselmodell

 

Auf der Fachtagung zum Thema „Ein Zuhause an zwei Orten“ im November 2016 in Hamburg wurde festgestellt: Die Bedingungen für Wechselmodelle sind in Deutschland noch nicht vollständig gegeben. Voraussetzung für ein Wechselmodell wäre, dass die Arbeitszeiten an das Wechselmodell flexibel angepasst werden könnten. Deutschland ist weitab von flexiblen familienfreundlichen Arbeitszeiten. Auch sollte Voraussetzung für ein Wechselmodell sein, dass beide Eltern vor der Trennung ihre Kinder bereits von Beginn an hälftig betreut haben, damit die Kinder zu beiden Elternteilen gleichwertige Bindungen haben aufbauen können. In der Realität jedoch betreuen Mütter ihre Kinder länger und mehr. Wenn dann bei Trennung ein Wechselmodell erfolgt, leiden die Kinder.

Aktuelle Studien zum Thema Wechselmodell beruhen praktisch ausschließlich auf Erfahrungen mit Familien, die freiwillig das Wechselmodell praktizierten. Die Familien sind meist in guter finanzieller Lage, Mutter und Vater verstehen sich gut, die Kommunikation funktioniert, ein nahes Beieinander-Leben ist für alle Seiten gut erträglich. Die Kinder wurden in diesen Fällen schon vor Trennung von beiden Elternteilen annähernd gleichwertig betreut. Kinder, die im beschriebenen Umfeld aufwuchsen, hatten  im Ergebnis keine Nachteile zu Kindern, die von alleinerziehenden Müttern aufgezogen wurden. Sie hatten jedoch auch keine Vorteile. Die Tatsache, dass die alleinerziehenden Mütter in einer viel problematischeren  Lage waren, deren  Kinder somit in einem viel problematischeren Umfeld groß wurden, wurde in der Analyse der Studienergebnisse  regelmäßig unter den Tisch gekehrt. Noch weniger jedoch lassen sich die Ergebnisse solcher Wechselmodellstudien auf eine ganz andere Situation übertragen:

 

Das Zwangswechselmodell.

Das Zwangswechselmodell ist das politische Ziel von Väterrechtsverbänden und  väterrechtsnahen „Wissenschaftlern“.

Hierbei wird einem Elternteil das Modell gegen seinen Willen per Gerichtsbeschluss aufgezwungen oder aber der Elternteil wird zu dem Modell genötigt. Es wird ihm gesagte,  „wenn Sie dem Wechselmodell nicht zustimmen, werden Sie die Kinder ganz verlieren“. 

 

 

Väterrechtsverbände und väterrechtsnahe „Wissenschaftler“ möchten das Zwangswechselmodell zum Standard-Umgangsmodell nach Trennung machen  –  gesetzlich vorgeschrieben.

Sie begründen Ihre Forderung mit den Studien zum freiwilligen Wechselmodell.

Zum Zwangswechselmodell gibt es bisher keine Forschung. Einzelne Stichproben der bestehenden Studien, die zufälligerweise doch aus Zwangswechselmodellen bestanden, mussten aus den Studienergebnissen herausgerechnet werden, weil sie das Ergebnis „verfälscht“ hätten. Kurzum: hier sehen die Ergebnisse vermutlich ganz anders und viel nachteiliger für Kinder aus. 

Es gibt allgemeine Forschungsergebnisse zu Betreuungsmodellen in hochstrittigen Elternhäusern. Dort, wo die Kinder von beiden Eltern relativ umfangreich betreut wurden,  litten sie unter Loyalitätskonflikten und hatten ein sehr großes Entwicklungsrisiko im Verhältnis zu Kindern, die bei einem Elternteil wohnten und den anderen nur besuchsweise in größerem Zeitabstand sahen.

 

Fazit: das Wechselmodell wirkt sich in Fällen, in denen sich Eltern um die Kinder streiten, negativ auf die Gesundheit des Kindes aus. Das Gericht als Ort, an dem sich Eltern in Sorgerechtsverfahren und Umgangsrechtsverfahren um die Kinder streiten, darf ein Wechselmodell auch in Zukunft nicht aufzwingen dürfen.  Der Umgang des Kindes nach Trennung der Eltern sollte sich ausschließlich nach den Bedürfnissen des Kindes richten und sollte vom Einzelfall abhängig sein.  

 

Überhaupt noch nicht erforscht ist die Validität der Aussagen von im Wechselmodell lebenden Kindern. Ein Kind, das in diesem Modell steckt, kann in der Regel nicht äußern: „ich möchte das Modell nicht“. Weil es damit einem der Elternteile nicht mehr gerecht werden würde….

 

 

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© Ein Zuhause für Kinder © Photos: Philippe Put