Begrifflichkeit Wechselmodell

 

Als Wechselmodell, Pendelmodell oder (Paritätisches) Doppelresidenzmodell

bezeichnet man Regelungen zur Betreuung gemeinsamer Kinder, wenn diese nach

einer Trennung der Eltern in beiden Haushalten zeitlich annähernd gleichwertig

betreut werden.

 

(Quelle: Wikipedia)

Märchenstunde Wechselmodell

Märchen 1: Recht des Kindes

 

"Ein Kind hat ein Recht auf beide Eltern zu gleichen Teilen"

 

Natürlich gibt es weder in Deutschland noch in anderen europäischen und außereuropäischen Staaten einen gesetzlich festgeschriebenen Rechtsanspruch eines Kindes auf Betreuung durch beide Eltern, so wie Eltern etwa einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz haben und diesen notfalls einklagen können. Ein Rechtsanspruch des Kindes auf Betreuung durch beide Eltern würde beispielsweise bedeuten, dass Adoptionen nicht mehr zulässig sind oder dass Nachtschicht- oder Auslandstätigkeiten von Eltern verboten werden müssten. Der Beruf eines Politikers mit Kindern wäre gar nicht mehr denkbar, auch nicht der eines Wissenschaftlers oder Managers ... Und das will natürlich keiner.


Diejenigen, die das Wechselmodell als Regelfall fordern, verschweigen natürlich, dass es hier gar nicht um das Recht des Kindes geht, sondern um das Recht der Eltern auf hälftige, gleichmäßige Teilhabe am Kind und die Befriedigung eigener Bedürfnisse. Und weil „Teilhabe“ so menschenfeindlich klingt, wird mittels Vedrehung ein Elternrecht zu einem Kinderrecht erklärt, das natürlich nur dann existiert, wenn die Eltern auf dieses Recht Lust haben. Beziehung kann man nicht verordnen. Beim Wechselmodell als Regelfall wird dieses jedoch gemacht, aber nur in eine Richtung: Einem Kind werden gesetzlich paritätische Beziehungen verordnet, ganz egal, ob dieses das möchte, einem Elterteil jedoch nicht.

 

Märchen 2: Betreuungszeit

 

"Da die meisten Ressourcen im Kontakt miteinander weitergegeben werden, ist es förderlich. wenn Eltern und Kinder viel Zeit miteinander verbringen, die gemeinsame Interaktion ermöglicht. Bei gleichmäßiger Betreuung im Wechselmodell haben Eltern und Kinder hierzu die besten Bedingungen." (H. Sünderhauf:  Wechselmodell: Psychologie - Recht - Praxis: Abwechselnde Kinderbetreuung durch Eltern nach Trennugn und Scheidung, S.47)

 

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil: Ob Kinder im Wechselmodell tatsächlich mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen können, als Kinder im Residenzmodell, hängt maßgeblich vom Einkommensniveau der Eltern ab. Sinkt dieses unter eine bestimmte Grenze, haben Eltern keine Zeit mehr für ihre Kinder, sondern müssen ihre Zeit für die Bereitstellung finanzieller Ressourcen für den doppelten Wohnsitz investieren. Wohnraum ist teuer in Deutschland, doppelter Wohnraum um so mehr. Auch haben die meisten Eltern in Deutschland nicht die Möglichkeit, einen Arbeitgeber zu finden, der auf die Bedürfnisse einer Wechselmodellfamilie eingehen kann. Die Folge: Eltern im Wechselmodell verschwenden ihre Ressourcen für weite Arbeitswege, Zweit- und Drittjobs, Nachmittagstätigkeiten. Die Kinder werden in dieser Zeit zu Freunden abgeschoben oder fremdbetreut. "Quality-Time" findet auf diese Weise kaum statt: Die wenigen Zeitressourcen werden dafür verwendet, den nächsten Umzug über die Bühne zu bringen. Nach einem Wechsel sind die Kinder wegen der Anpassungsleistungen oft so erschöpft, dass sie einen ganzen Tag zur Erholung benötigen. Wirkliche "Quality-Time" ist unter diesen Umständen kaum möglich. Bei Anwälten oder Professoren mag die Lage anders aussehen - diese Berufsgruppen können sich ihre Zeit frei einteilen und haben ein so hohes Gehalt, dass eine Finanzierung des doppelten Wohnsitzes problemlos möglich ist. 

 

Märchen 3: Zufriedenheit

 

"Übereinstimmend fand man, dass sowohl die gleichmäßig abwechselnd betreuenden Eltern als auch ihre Kinder einen "hohen" Grad von Zufriedenhiet in Prozentsätzen von 67% ausdrückten." (Jan Piet de Man)


Über die angeblich so überwältigende Zufriedenheit von Kindern im Doppelresidenzmodell ist viel berichtet worden. Schaut man einmal hinter die Kulissen, kommen erstaunliche Dinge zum Vorschein:

 

1. Kinder, die zwangsweise im Wechselmodell leben, können gar nicht äußern, wenn sie darunter leiden, dass sie kein richtiges Zuhause mehr haben. Aus einem Blog der "Kinderpassage": Wer am eigenen Leibe miterlebt hat, was passiert, wenn unter Druck ein Wechselmodell gerichtlich verankert wird, weiß, dass Kinder, die einmal in diesem Modell leben, nie wieder da rauskommen. Es führt kein einziger Weg dahin, diesen Kindern zu helfen, sollte es ihnen schlecht gehen! … Ein Kind, das als Faustpfand zwischen zwei streitende Eltern geschoben wird, um die Situation zu stabilisieren, trägt nun nämlich die Verantwortung dafür, dass durch gerechte Aufteilung seiner selbst ein Waffenstillstand aufrecht erhalten wird. In der Antike nannte man solche Menschen Geiseln, in der modernen Psychologie würde man vom Prototyp der Parentifizierung sprechen. So ein Kind hat keinerlei Möglichkeiten, dieser Position zu entkommen. Es wird sich auch hüten zu äußern, wenn es ihm nicht gut geht. Nur von ihm allein und seiner Bereitschaft zum Wechselwohnen hängt nämlich der Frieden im
System ab, und ein Kind wird sich tunlichst davor hüten, diesen Frieden zu gefährden. Das Ergebnis: Kinder können nicht äußern, wenn es ihnen ohne festen Wohnsitz nicht gut geht. Das ist die simple Erklärung dafür, dass so viele Studien behaupten, Kindern im WM gehe es besonders gut."

 

2. Die meisten Studien, die positive Ergebnisse hinsichtlich des Wohlbefindens von Kindern im Wechselmodell aufzeigen, wurden zu einer Zeit durchgeführt, als das Wechselmodell noch nicht gerichtlich angeordnet werden konnte. Diese Kinder leben also in einem Modell, auf das sich die Eltern freiwillig einigen konnten, demzufolge in Familien mit relativ geringem Konfliktniveau. Die Aussagen dieser Kinder wurden jedoch mit Residenzmodellkindern in Beziehung gesetzt, die zum Teil aus Familien mit hohem Konfliktniveau stammen. Die Zufriedenheit der Kinder ist eine Folge des Konfliktniveaus der Eltern, und nicht eine Folge des Betreuungsmodells.
Kindern im Wechselmodell wird es nur so lange gut gehen, wie die Eltern in der Lage sind, ihre eigenen Bedürfnisse hinter die des Kindes zurück zu stellen. Das heißt auch, dass sie jederzeit bereit sein müssten, das Wechselmodell zu beenden. Sind sie dazu nicht in der Lage, wird das Modell zwangsläufig zu einem Zwangsmodell, aus dem die Kinder nicht mehr hinauskönnen, weil sie sich als Faustpfand fühlen.

 

Die Forschungen an Kindern im Wechselmodell werden zur Zeit überwiegend von väterrechtsnahen WissenschaftlerInnen und GleichstellungspolitikerInnen sowohl finanziert als auch vermarktet. Aus wohl politischen Gründen werden hier bewusst statistische Falschaussagen produziert, in die Welt gesetzt und in großem Stile verbreitet.

 

Märchen 4: Kontaktabbruch

 

"Durch Wechselmodell wird der Kontaktabbruch von Scheidungskindern zu einem Elternteil verhindert."

Wie schon unter 3. erwähnt, fällt es Kindern im Wechselmodell wegen der Verantwortungsübernahme für die Eltern ungeheuer schwer, zu äußern, wenn sie das Wechselwohnen nicht aushalten. Manche Kinder machen so lange mit dem Wechselwohnen weiter, bis sie schwer erkranken. Selbst dann sagen sie in der Regel, dass sie das Wechselwohnen als beste Betreuungsform ansehen, weil es für die Eltern "gerecht" sei. Wenn das Modell beendet wird, fühlen sich diese Kinder ungeheuer schuldig gegenüber demjenigen Elternteil, bei dem sie nicht mehr wohnen. Um dem Schuldgefühl zu entgehen und sich selbst zu entlasten, entwickeln viele Kinder nach Beendigung des Wechselmodells eine Aversion gegenüber dem Elternteil, bei dem sie nicht mehr wohnen. Ihr eigenes Schuldgefühl wandeln sie in Aggression gegen diesen Elternteil um - sie meiden den Kontakt dann um so hartnäckiger. Auf diese Weise tritt genau das ein, wovor das Wechselmodell schützen soll: Die Abwehr eines Elternteils. 

Ein Wechselmodell schützt nicht vor Entfremdung, im Gegenteil: Durch ein Wechselmodell kann Entfremdung ausgelöst werden.

Die weit größte Zahl von fehlendem Kontakt zwischen Eltern und Kindern hat ihre Ursache nicht in Sorgerechtsstreitigkeiten, sondern im Desinteresse oder dem durch eine narzisstische Kränkung verursachten Rückzug eines Elternteils. Diesen Kindern kann mit einem Wechselmodell als Regelfall nicht geholfen werden.

 

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© Ein Zuhause für Kinder © Photos: Philippe Put